Fassade des Gymnasiums Kaiser-Friedrich-Ufer Hamburg
Eindrücke vom Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer Hamburg

aktuell: Das geht alle Eltern an

Was sind LEGs und warum braucht es zwei?

LernEntwicklungsGespräche (kurz LEGs) sind regelmäßig stattfindende Gespräche zwischen SchülerInnen mit Eltern (oder Elternteil) einerseits und LehrerInnen andererseits. Sie dienen dem Ziel, SchülerInnen an das selbst organisierte Lernen heranzuführen, welches sie später im Studium benötigen.

Das LEG lehnt sich konzeptionell an das erprobte und bewährte „Führen durch Zielvereinbarung“ aus der Wirtschaft an. Es werden in Übereinkunft (wichtig: keine Zielvorgabe!) zwischen den beiden Parteien (hier LehrerInnen und SchülerInnen) Ziele für das Lernen in einem vor dem Schüler liegenden Zeitraum formuliert und vereinbart. In einem guten LEG wird der Lehrer dem Schüler auch Hinweise geben, wie er diese Ziele erreichen kann. Ist der genannte Zeitraum abgelaufen, wird im nächsten LEG festgestellt, ob die Ziele erreicht wurden.

Dieses Verfahren ist als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen, als Heranführen der SchülerInnen an besonders wirkungsvolle (und darum erleichternde) Techniken des Lernens und der Selbstkontrolle.

Die Rückmeldung über Erfolg oder Misserfolg einer Handlung muss, damit sich ein nachhaltiger Lerneffekt einstellt, möglichst unmittelbar sein. Dies lehrt nicht nur die Lerntheorie, es ist auch in praktisch allen modernen erzieherischen Konzepten enthalten.

Unmittelbarkeit im Schulbetrieb ist gegeben, wenn eine Rückmeldung, also das LEG, zeitnah einer die Zielvereinbarung betreffenden Leistungsbeurteilung erfolgt. Dies ist der Fall bei der halbjährlichen Leistungsbeurteilung, ob Zeugnis oder qualitative Beurteilung in Textform. Aus lerntheoretischer Sicht, was doch auch aus pädagogischer Sicht bedeutet, muss also jeder halbjährlichen Leistungsbeurteilung ein LEG folgen. Erst so entsteht beim Schüler ein Verständnis des Zusammenhangs zwischen Lernverhalten, kontrolliert via Abgleich Ziel/Zielerreichung und seiner Leistung.

Dies ist auch geeignet, dem eventuell in seiner Leistung abgefallenen Schüler eine Chance einzuräumen, im folgenden Halbjahr sein Lernverhalten anhand der im LEG gefundenen Ziele nachzujustieren und es ist – nicht nur in diesem Sinne – sinnvoll und fair.

Ein LEG, das erst nach Ablauf eines Jahres erfolgt, also im Grunde eine Beurteilungs- und Ergebnisphase überschlägt, ist nicht nur unlogisch, sondern auch weitgehend wertlos. Es wird bei vielen Schülern obendrein dazu führen, dass sie sich gar nicht mehr an ihre einmal vereinbarten Ziele erinnern.

Das Lernen des Lernens müsste eigentlich ein eigenständiges Unterrichtsthema sein. Nicht alle Schüler sind von Natur aus ehrgeizig und systematisch und nicht alle bekommen vom Elternhaus entsprechende Verhaltensweisen mit auf den Weg. Gut geführte LEGs können das kompensieren und sind so verstanden ein wesentlicher Beitrag zur Chancengleichheit.

Daher sind mindestens zwei LEG’s pro Schuljahr eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

P.S.: In der „Freien Wirtschaft“, wie das Berufsleben außerhalb von Behörden gern genannt wird, sind sich selbst höchst qualifizierte Führungskräfte nicht zu schade, sich in punkto „Führung durch Zielvereinbarung“ weiterbilden zu lassen. Eine solche nachgewiesene Kompetenz ist in den meisten Fällen sogar Voraussetzung für den nächsten Karriereschritt.